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Einträge von Öl in die Meere
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Öl gelangt auf vielen verschiedenen Wegen ins Meer. Nach Schätzungen des NATIONAL RESEARCH COUNCIL (1985) machen die landseitigen Einleitungen mit 34% den größten Anteil der ins Meer gelangenden Erdölkohlenwasserstoffe aus. Auf den Tankerbetrieb als zweitgrößten Posten entfallen 22%, während die vor allem im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehenden Tankerunfälle für 13% der Öleinleitungen ins Meer verantwortlich sind. Auf den nächsten Rängen folgen Einleitungen durch sonstige Schifffahrtsaktivitäten, die Einträge über die Atmosphäre und aus natürlichen, unterseeischen Ölquellen. Zieht man die drei zur Schifffahrt gehörigen Kategorien zusammen, so ist die Seeschifffahrt mit einem Anteil von 45% als Hauptverursacher der Öleinleitungen ins Meer anzusehen, auch wenn man berücksichtigt, dass derartige Schätzungen recht unsicher sind und, je nach der Quelle, deutliche Unterschiede zeigen.
Im Wesentlichen können zwei Kategorien von Einleitungsformen unterschieden werden: chronische Einleitungen (häufige oder kontinuierliche Öleinträge in geringen Mengen/Konzentrationen über lange Zeiträume), und Unfälle (große Ölmengen innerhalb kurzer Zeit). In der Praxis und vor allem in ihren Effekten auf die Meeresumwelt zeigen diese Kategorien oftmals fließende Übergänge, so dass eine klare Trennung nicht möglich ist.
Chronische Einleitungen
- Landseitige Einleitungen
Unter diesem Begriff werden Einträge von Erdölkohlenwasserstoffen durch küstennahe Industrieanlagen und Städte sowie über die Flüsse beschrieben. Die einzelnen Substanzen stammen aus vielen verschiedenen Quellen, vor allem wohl von Ölraffinerien und sonstigen Industriebetrieben. Dementsprechend ist auch die Zusammensetzung dieser Einleitungen aus verschiedenen Erdölkohlenwasserstoffen ausgesprochen heterogen. Die Einleitung selbst erfolgt typischerweise in hoher Verdünnung, so dass keine sichtbaren Ölflecke entstehen. Bei fehlender Klärtechnik und entsprechend hohen Konzentrationen in Küstengewässern sind vielfältige Schädigungen von Meereslebewesen und Anreicherungen von Ölrückständen in Sedimenten nachgewiesen.
- Atmosphärische Einleitungen
Zahlreiche Erdölkohlenwasserstoffe gehören zu den flüchtigen Verbindungen, die nach Verdunstung oder bei Verbrennung in die Atmosphäre übergehen können. Die wichtigste Einzelquelle stellen Autoabgase dar, gefolgt von Industrieabgasen (vor allem Ölindustrie). Mit dem Regen können diese Stoffe dann ins Meer gelangen. Wie auch bei den landseitigen Einleitungen handelt es sich um viele verschiedene Substanzen, die in geringen Konzentrationen ins Meer gelangen, sich aber in bestimmten Regionen anreichern können.
- Natürliche Quellen
In vielen Regionen der Welt, besonders an den Kontinentalrändern mit tektonischer Aktivität, befinden sich unterseeische Erdölquellen, die in unterschiedlichem Umfang Erdölkohlenwasserstoffe ins Meer abgeben. Da das Öl vor seinem Austritt ins Meer häufig noch dickere Sedimentschichten durchdringen muss, erreicht es das Wasser meist in einem schon stärker gealterten Zustand.
- Tankerbetrieb
Beim Reinigen der Tanks von Tankschiffen sowie beim Laden und Löschen an Tank-Terminals gelangen entlang viel befahrener Routen ständig kleinere Ölmengen ins Meer. Gelegentlich kann als Folge einer Tankreinigung auch eine größere Ölmenge austreten. Beispielsweise wurden im Jahr 1996 zahlreiche Abschnitte der deutschen und niederländischen Nordseeküste mit Öl verschmutzt, das nachweislich von ein und demselben Tankschiff stammte. Zwar unterliegt das Reinigen von Öltanks auf See gesetzlichen Vorschriften, aber die Befolgung dieser Vorschriften erscheint nur in den wenigen Meeresgebieten annähernd gewährleistet, in denen auch entsprechende Kontrollen stattfinden.
- übrige Schiffahrt
Seit der gestiegene Ölpreis in den 70er Jahren zu einer verstärkten Verwendung von Schwerölen als Schiffstreibstoff geführt hat, fallen auf Seeschiffen in vermehrtem Umfang Brennstoffrückstände an. Diese werden, wie auch Bilgenöle, häufig illegal im Meer entsorgt. Ebenso wie bei Tankwaschungen entstehen hierbei kleinere Ölflecke vornehmlich entlang der Hauptschifffahrtswege.
- Ölförderungsaktivitäten
Bei Ölbohrungen im Meer wurden bis in die 1980er Jahre ölhaltige Bohrschlämme und Produktionsabwässer ins Meer abgegeben. Obwohl die Einleitungen durch Ölförderungsaktivitäten weltweit nur etwa 2% ausmachen, betrug der Anteil für Regionen, wie beispielsweise die Nordsee, in denen derartige Aktivitäten besonders ausgeprägt sind, 10 - 30%.
Unfälle
- Tankerunfälle
Bei Unfällen von Tankschiffen können innerhalb kurzer Zeit beträchtliche Ölmengen ins Meer gelangen. Große Tankerunfälle sind eher seltene Ereignisse, so dass die Ölmenge, die jährlich auf diesem Weg ins Meer gelangt, starken Schwankungen unterliegt.
- Unfälle anderer Schiffe
Wenngleich große Frachtschiffe mehrere 1000 t Treibstoff mit sich führen können, entfällt auf die Unfälle mit anderen Schiffen als Tankern nur etwa 0,6% aller Öleinträge im Gegensatz zum Anteil von 13% durch Tankerunfälle.
- Sonstige Unfälle
Nicht nur bei der Schifffahrt, sondern auch bei Ölförderungsaktivitäten kann es zu Unfällen kommen, in deren Verlauf große Ölmengen ins Meer gelangen. So stellt der Blowout der Bohrinsel Ixtoc I im Golf von Mexiko im Jahr 1979 den Unfall dar, bei dem bisher die größte Ölmenge ins Meer gelangte; die Schätzungen schwanken zwischen 440 000 und 1 400 000 t Öl. Allerdings wurde diese riesige Menge nicht wie bei einem Tankerunfall in wenigen Stunden freigesetzt, sondern ergoss sich über einen Zeitraum von etwa 10 Monaten ins Meer. Schwere Unfälle auf Bohrinseln sind jedoch im Vergleich zu Schiffsunfällen seltene Einzelereignisse. Noch seltener sind Ölunfälle mit Folgen für die Meeresumwelt durch leckgeschlagene Vorratstanks von Ölraffinerien. 1986 führte ein solches Ereignis an der Küste Panamas allerdings zu einem Ölverlust von etwa 10 000 t.
Eine Übersicht bedeutender Unfälle der letzten Jahrzehnte ist hier zusammengestellt.
Quelle:
Der Inhalt dieser Seite wurde erstmals veröffentlicht in:
C.v. Bernem, T. Lübbe (1997): Öl im Meer - Katastrophen und langfristige Belastungen, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.
Literaturreferenzen:
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