Orkantief "Kyrill" richtet in Europa große Schäden an
In der Nacht von Donnerstag, dem 18.01.2007 zu Freitag, dem 19.01.2007 zog das Orkantief Kyrill über weite Teile Deutschlands und richtete dort große Schäden an. Auch weite Teile Europas waren betroffen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (www.dwd.de) war Kyrill in der Ausdehnung in etwa mit dem Orkan Jeanett im Oktober 2002 vergleichbar und ein Ereignis mit dem in etwa alle 10-20 Jahre gerechnet werden muss.
An der Küste führte Kyrill nach Angaben des NLWKN (www.nlwkn.de) zu geringeren Wasserständen, als ursprünglich prognostiziert, was auf eine schnellere Zuggeschwindigkeit des Sturmes zurückgeführt wird. Im Vergleich dazu hatte das Orkantief Britta im Herbst vergangenen Jahres teilweise zu neuen Rekordwasserständen an der niedersächsischen Nordseeküste geführt. Genauere Informationen finden Sie in den Meldungen des NLWKN.
Über einen längeren Zeitraum betrachtet hat die Sturmaktivität in Europa immer wieder geschwankt. So folgten auf Jahre und Jahrzehnte relativ ruhiger Perioden Jahre und Jahrzehnte erhöhter Sturmaktivität und umgekehrt. Insbesondere die letzten Jahre waren von einer eher geringen Sturmaktivität geprägt. Eine Rekonstruktion der Sturmaktivitäten der letzten etwa 100 Jahre für Nordeuropa finden Sie
hier. Für die Zukunft zeigen jüngste Klimamodellrechnungen Unterschiede im Detail. Insgesamt kann man derzeit von einer leichten Zunahme in den nächsten ca. 100 Jahren ausgehen. Dieses Signal ist aber gegenwärtig noch nicht in den Beobachtungen zu sehen.
Im Institut für Küstenforschung des GKSS-Forschungszentrums in Geesthacht widmen sich Wissenschaftler solchen Extremwetterereignissen. Mit Hilfe von Szenarien und Modellen berechnen die Küstenforscher unter anderem die Wahrscheinlichkeit von zukünftigen Sturmfluten. Zusätzlich erlaubt das von der GKSS entwickelte Verfahren WISAR (Wind Fields from SAR) einen detaillierten Blick auf die Windverteilung innerhalb eines Sturms oder Orkans. Dieses Verfahren misst mittels eines satellitengestützten Radars hoch aufgelöste Windfelder über dem Ozean. So konnten die Geesthachter Wissenschaftler auch Kyrill abbilden.
Windfeld des Sturms Kyrill über der Nord- und Ostsee am 18. Jan. 2007 um 22:00 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt wütete Kyrill insbesondere in der südlichen Ostsee mit Windgeschwindigkeiten über 30 m/s (110 km/h). Das Windfeld wurde mit dem an der GKSS entwickelten Verfahren WiSAR aus den Daten des Radars mit synthetischer Apertur des Europäischen Satelliten ENVISAT berechnet.
Erfahren Sie, wie das Verfahren WISAR auch schon den Hurrikan Katrina erfasste und auf welcher Technik WISAR basiert:
http://www.gkss.de/pages.php?page=08_2005.html&language=d&version=g
http://w3g.gkss.de/G/gms_en.html/KSD_WiSAR_op.html
Außerdem finden Sie hier Informationen über die zukünftigen Entwicklungen von Sturmfluten:
http://www.gkss.de/pages.php?page=10_2005.html&language=d&version=g
Bei weiteren Fragen zu diesem Thema wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des GKSS Forschungszentrums Geesthacht:
torsten.fischer@gkss.de
Telefon +49 (0)4152 87 1677