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Ölkatastrophe an der libanesischen Küste

Am 13. und 15. Juli 2006 wurde im Zuge des Nahostkonflikts das etwa 30 km südlich von Beirut direkt an der Küste gelegene Elektizitätswerk von Jieh bombardiert. Teile der mit Dieselöl gefüllten Treibstofftanks entzündeten sich und brannten mehrere Tage lang. Als Folge der Angriffe floss ein großer Teil des Öls direkt in das Mittelmeer. Nach den erhältlichen Informationen gelangten bis zum 2. August bereits 12.000 bis 15.000 t eines Heizöls für Kraftwerke in das Küstenwasser.

Einschätzung des Schadensausmaßes

Ein vom Regional Marine Pollution Emergency Response Centre for the Mediterranean Sea (REMPEC) mitfinanziertes Driftmodell des Joint Research Centre (JRC) für das Mittelmeer lieferte bislang als mögliches Szenario, dass ca. 80% des Öls auf etwa 150 km Küste stranden, 20% verdampfen, aber auch 1% im Küstenwasser verbleiben könnten. Dieses Ergebnis ist allerdings noch mit großen Unsicherheiten behaftet.

Bei dem Öl handelt es sich um den Typ IFO-150. Ein solches Öl ist charakterisiert durch einen Siedepunkt von über 350°C, seinem Reichtum an Asphaltenen und der Neigung zur Bildung von Emulsionen. Diese Faktoren erschweren eine chemische Bekämpfung mit Dispergatoren, während das mechanische Abräumen verschmutzter Strandbereiche mit zunehmender Alterung erleichtert wird.

Der im Vergleich zu Rohölen hohe Anteil hochmolekularer polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe kann langfristige Schäden für Meeresorganismen verursachen. Besonders empfindlich gegenüber Erdölkohlenwasserstoffen ist die Fortpflanzung zahlreicher Meereslebewesen. Genetische Schäden bei Fischen können ebenso auftreten wie Sterilität und Tumore an den Gonaden von Muscheln. Bei höheren Pflanzen (u. a. Salzwiesen, Mangroven) ist die Toxizität von Dieselölen wesentlich höher einzuschätzen als die von Rohölen.

Um die Persistenz der Schäden einzuschätzen, kann inzwischen auf Erfahrungswerte vergangener Ölunfälle zurückgegriffen werden. So wurden beispielsweise 20 Jahre nach dem Unfall der "Florida" im Jahre 1969 in der Buzzards Bay (USA), bei dem wesentlich geringere Mengen Dieselöl ausgetreten sind, noch Spuren dieser Substanz im Sediment nachgewiesen.

Maßnahmen zur Bekämpfung

Nach einer Anfrage des Libanesischen Umweltministeriums über das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung (BMVBS) an das Havariekommando wurde inzwischen die Etablierung einer EU-Task-Force beschlossen, die zur Aufgabe hat, den Ort zu besichtigen und ggf. Gegenmaßnahmen vorzunehmen, sobald die Sicherheitslage in der Region dies erlaubt.


Aktivitäten in Helmholtz-EOS zu diesem Ereignis:

Kartenprodukte des DLR/ZKI

1. August 2006 - 16:00 UTC

Nach Auslösung der International Charter 'Space and Major Disasters' zur Gewinnung von Informationen über die Ausdehnung des Ölteppichs und - wo möglich - über das Ausmaß der Verschmutzung, hat das Zentrum für Satellitengestützte Kriseninformation (ZKI) das Projektmanagement in dieser Aktivierung übernommen und produziert auf Satellitendaten basierende Karten im Kontext der europäischen GMES Service Elemente Risk-EOS und MarCoast.  Mehr ...

 

 

 
Quelle: THW
Teilnehmende Helmholtz-Zentren:
Alfred-Wegener-Institut (AWI)
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ Potsdam)
GKSS Forschungszentrum Geesthacht